Meine Mutter hatte eine Frisierkommode mit dreiteiligem Spiegel. Als kleines Mädchen stellte ich mich auf einen Hocker, kippte die Seitenteile nach vorne, beugte mich vor und war begeistert, dass ich mich von links und rechts tausendmal und von vorne in aller Pracht sah. Ich drehte mich in meinem Lieblingskleid mit den roten Rosen, lies den Rock schwingen, fand mich wunderschön. Ich hätte mit keiner Prinzessin getauscht. Man kann das Eitelkeit nennen, oder Selbstverliebtheit. Ich sage ganz einfach, ich fand mich gut.

Das hat sich mit den Jahren „verwachsen“. Später fand ich mich überhaupt nicht mehr gut, nicht einmal gut genug. Sätze die mit „sei doch nicht so…“ begannen, mit „Du bist halt…“ weitergingen und mit „…mach Dir nichts vor“ endeten, entwarfen ein Bild von mir, das ich im Laufe der Zeit übernahm. Ohne es zu hinterfragen.

 

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Den inneren Kritiker zum Teufel jagen

Freunde, die mich schätzen und Dinge, die ich offensichtlich gut mache, ließen dieses negative Bild von mir oft verblassen, glücklicherweise. Doch tief in mir blieb davon ein Schatten, der mit leiser Stimme aber unentwegt meine Unzulänglichkeiten rezitierte.

Irgendwann ist es mir gelungen, diesen inneren Kritiker zu fragen, woher er seine Weisheiten hat. Woher er wissen will, wie ich bin. Er wusste es nicht, hatte es nur gehört, von irgendjemand, der irgendwann mal in meinem Leben eine Rolle gespielt hat. Hat fraglos übernommen, womit er mir jahrelang auf den Wecker gegangen ist. So jemand, der ohne eigene Meinung nur nachplappert, was andere vorsagen, brauch ich nicht in meinem Kopf. Ich hab ihn fortgeschickt.

 

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Seither geht’s mir besser. Ich sehe mich klarer. Dazu brauch ich mich heute nicht mehr tausendfach im Spiegel zu sehen. Ich muss mich auch nicht immer schön finden. Ich bin wie ich bin, und ich finde mich gut so. Das reicht.

Ich bin, wie ich bin

Während ich das schreibe, klingt mir Gloria Gayner’s Song im Ohr „ I am what I am“ und ich denke genau so ist es:

Ich bin das, was ich aus mir mache, darauf darf ich stolz sein. Muss mich nicht verstecken, mein tun und lassen nicht erklären, nicht verteidigen. Weder Supermama noch Superwoman sind Rollen, die ich ausfüllen muss. Den Respekt, den ich anderen entgegenbringe, darf ich auch mir angedeihen lassen.

 

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Die Gedanken, die ich hier niederschreibe, kamen mir als ich bei Sunny und Sabine Posts zum Thema Selbstliebe las. Offenbar ein Thema, das nicht nur mich beschäftigt, wie die Kommentare zu diesen Posts zeigten. Fragen, wie „muss ich mich immer selbst lieben?“ oder „muss ich mich bedingungslos lieben?“ kamen auf.

Fragen, die sich mir gar nicht stellen. Liebe ist für mich immer bedingungslos. Ich liebe meine Kinder, meinen Mann, meine Freunde. Auch wenn ich sie mir manchmal auf die Nerven gehen und ich sie am liebsten von hinten sehe. Warum sollte Selbstliebe anders sein? Hasse ich mich, weil mir auf einmal Haare am Kinn sprießen?

Mich selbst zu lieben ist keine Aufgabe, die sich mir stellt, oder die mir gar von jemand gestellt wird. Es ist ein Zustand, den ich bevorzuge.

Konstantin Wecker singt „Was ich an Dir mag? Du tust mir gut“.

Wer, wenn nicht ich, sollte mir gut tun.

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Liebe Grüße

Sabine

 

11 Kommentars

  1. DanKe Sabine. Wie immer formulierst Du das auf dem Punkt, was ich im Kopf habe. Mir gelingt das aber zumeist nicht so gut. Vermutlich sitzt Du in meinem Kopf. Oder wir ticken so ähnlich, dass Du mich nicht missverstehst.
    LG Sunny

  2. Tolle Fotos von Dir Sabine. Ich bin begeistert. Jap Du bist wie Du bist, ich bin auch wie ich bin. Mein Äußeres war wirklich noch nie bei nur einem meiner Freundschaften ein Thema. Im Beruf, kein Thema. Alles andere zählt.
    Liebe Grüße und einen schönen Dienstag, Tina

    Tina von Tinaspinkfriday
  3. Den dreiteiligen Spiegel mit den vielen, vielen Spiegelbildern hatte meine Mutter auch und ich habe ihn soooo geliebt 🙂 Ansonsten ist nix hinzuzufügen, vielleicht bis auf: And what I am needs no excuses.
    Liebe Grüße
    Fran

  4. Genau, liebe Sabine, wer wenn nicht Du sollte Dir gut tun? Du hast allen Grund Dich zu lieben und stolz auf Dich zu sein, denn Du bist eine einfach tolle Frau. Da bin ich direkt erleichtert zu lesen, dass Du den Kritiker mit seinen grundlosen Herabsetzungen endlich fortgeschickt hast.
    Und die Fotos Deines heutigen Posts, die liebe ich geradezu!
    Liebe Grüße, Rena
    http://www.dressedwithsoul.com

  5. Das sind mal wieder tolle Fotos! Und was Du schreibst, unterstreiche und unterschreibe ich sofort! Komisch, dass wir als Kinder nie dachten “Selbstliebe, Eitelkeit, Narzissmus” – sondern dass das etwas ist, was wir im Laufe des Lebens – leider – gelernt haben!?
    Ich freu mich, dass Du den inneren Kritiker weggeschickt hast. Den brauchst Du nicht… und was ich in meinem letzten Post wirklich als Ironie gemeint habe (leider missverständlich): ich bin voll und ganz auf Deiner Linie! Es geht überhaupt kein Weg dran vorbei, sich selbst zu mögen und voll anzunehmen! Und zwar nicht, weil “das Äußere keine Rolle spielt” oder wir “andere Eigenschaften haben” – sondern weil wir tolle, schöne und begehrenswerte Frauen sind. So! 🙂
    Alles Liebe, Maren

  6. “Wer, wenn nicht ich, sollte mir gut tun.” Dass Dir das gelingt, strahlst Du auf den tollen Bildern aus. Gut so!

    Kennst Du Transaktionsanalyse? Mir hat das Buch “Ich bin O.K – Du bist O.K.” von Thomas A. Haris in der Hinsicht vor vielen Jahren die Augebmn geöffnet.

    Liebe Grüße!

  7. So schön, deine Worte, die treffen so sehr zu! Traurig, dass uns irgendwann jemand den Kritiker in den Kopf gesetzt hat. Oft kann man nichtmal genau sagen, wer das war. Wer war’s bei meiner Tochter? Die Werbung? Der Vergleich mit anderen Mädchen? Bilder in Zeitschriften? ………. Als ob irgendjemand je von ihr oder von mir oder von dir verlangt hätte, dass wir “perfekt” sein oder einem Ideal entsprechen müssen, das in der realen Welt gar nicht existiert…
    Und ja: du strahlst von innen heraus! Und du sprühst vor Geist und Weisheit.
    Herzliche Rostrosengrüße, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2018/09/1-gugelhupf-3-spatsommer-outfits-1.html

  8. Einer der besten Artikel zu diesem Thema, wunderschön geschrieben, das kann ich nur unterschreiben! Vielen Dank! We are what we are – und das ist gut so!
    Unglaublich schöne Bilder und ein ganz tolles Kleid!
    Liebe Grüße,
    Claudia

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