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Zu meinem Bedauern hielten der Elan und die Unternehmungslust, die ich aus der Reha mitgebracht habe, nicht lange an. Schon sehr bald holte mich die Wirklichkeit ein. Was mir nach einem Arbeitstag tatsächlich noch an Energie bleibt, reicht für einen gelegentlichen Spaziergang oder eine halbe Stunde auf dem Ergometer, für die Hausarbeit und für Zeit mit der Familie. Alles andere kommt zu kurz. Selbst das Bloggen und Treffen mit Freunden stehen hintan.

 

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Unzufrieden mit dieser Situation und vor allem mit mir, kam ich ins Nachdenken. Fragte mich zunächst, warum ich nicht in der Lage bin, mich besser zu organisieren. Kam zu dem Schluss, dass es meine Krankheit ist, die mir Energie und Antrieb raubt, die mir letztendlich Lebensfreude vorenthält. Diese Gedanken versetzen mich in keine gute Stimmung, setzten mich sogar für zwei Tage “außer Betrieb”. Und das war gut so, denn die erzwungene Auszeit hatte den Vorteil, dass ich sehr viel Zeit zum Überdenken meiner Schlüsse hatte und meinen Frust und die Antriebslosigkeit mal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten konnte.

 

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Versuch’s mal mit Gemächlichkeit

“Ich geh mal schnell…”, “ich mach mal geschwind…” war oft von mir zu hören und genauso agierte ich. Das hat in den letzten Jahren, gesundheitlich bedingt, nicht mehr so gut funktioniert. Was  ich mit Bedauern feststellen musste. Hinterfragt, ob das sein muss, habe ich nicht.  Dabei liegt genau hier mein Problem.  Fit und unternehmungslustig aus der Reha zurück, hab ich meine Schlagzahl erhöht, hab schnell  mal das erledigt, geschwind mal dies übernommen, kurz mal was dazwischengeschoben. Beruflich und privat. Dass das so nicht geht, haben mir Körper und Seele gezeigt.

Dabei ist es keineswegs vonnöten, im gleichen Rhythmus weiter zu machen wie vor 10 Jahren? Ich bin 60, ich darf langsamer sein, ich muss nicht mehr hetzen, ich kann mir Zeit lassen. Letzteres will und muss ich lernen. Astrid hat zum obigen Post sehr klug angemerkt:

Akzeptieren, dass sich Alterungsprozesse so oder so zeigen, dass man denen nicht entgeht und das man auch nicht schlimmer betroffen ist als andere Leute, bei denen sich was anderes im Alter zeigt. Unser Problem ist, glaub ich, dass wir unsere Endlichkeit nicht so wirklich akzeptieren können.

 

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Mein Alter mit allen seinen Facetten akzeptieren – nicht nur Falten und Sehschwäche sondern auch Langsamkeit und andere körperliche Einschränkungen. 

Nicht Opfer sein, sondern mich besinnen, was mir Gutes widerfährt.

“Versuche aufzuhören, dich durch Leistung zu definieren”, gab mir meine Freundin mit auf den Weg. 

Neben einem moderaten Sportprogramm, steht das nun auf meiner Agenda. Ich hab keine Lust mehr im Galopp durchs Leben zu hetzen.

 

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In der Arte-Mediathek ist zurzeit der 6-teilige Sience Fiction Film “Ad vitam” zu sehen.  Er spielt in einer Welt, in der die Menschen unsterblich werden. Durch freiwilliges Regenerieren erlangen über Hundertjährige das Aussehen und die Konsitution von gut erhaltenen Mittvierzigern. Klingt verlockend? Nicht für mich. Es würde bedeuten, dass ich in einer Phase meines Lebens feststecke, nicht mehr weiter komme. Das ist nicht, was ich mir vom Leben wünsche. 

 

Liebe Grüße

Sabine

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Übringens zu meinem Outfit – Kleid mit Hose – hat mich Sunny in ihrem Oktoberpost inspirieret. 

Noch mehr herbstliche Looks gibts bei den Ü-30-Bloggern. 

15 Kommentars

  1. Alles, was mir dazu einfällt, sind nur ungefragt Ratschläge, die Du vermutlich den halben Tag bekommst – und dennoch kannst nur Du alleine Deinen passenden Weg finden. Deshalb wünsche ich Dir genau das: Mögest Du einen guten Weg für den Umgang mit Deiner Krankheit und dem Altern finden.

    Eine Umarmung sendet Dir
    Ines

  2. Zufällig bin ich über Deinen Blog gestolpert. Genauso geht es mir gerade. Die Reha war klasse und ich dachte auch jetzt kann ich wieder… Pustekuchen. Ich werd in wenigen Tagen 56 und ja ich muss mich jetzt besinnen und ändern. Ein paar Sätze aus Deinem Post werd ich mir notieren und versuchen zu verinnerlichen.

    Ich werde noch ein paar Jahre im Job bleiben müssen da muss ich mich ändern. Ein paar Umstände sind eben noch da dass es nicht anders geht, aber ich denke mit der richtigen Einstellung zu schaffen. Ich muss ja nicht mehr groß mich beweisen ….

    Ich werde Deinen Blog bei mir verlinken. Er gefällt mir und Deine Bilder sind echt schön.

    LG
    Ursula

  3. Liebe Sabine, ich verstehe genau was Du meinst. Mein Körper setzt mir auch Grenzen und ich denke immer es müsse noch gehen wie mit 25. Gerade bein Renovieren merke ich das extrem. Dabei bin ich echt froh, dass ich meinen Alltag mit Vollzeitarbeit und Haus noch hinbekomme. Aber das reicht mir eigentlich auch sagt mein Körper. Mein Geist will aber mal schnell noch dies und Jenes, genau wie Du es beschreibst. Dazu kommt noch, dass mein Umfeld diese Einschränkungen nicht sieht und man dann das langsamer machen erzwingen muss.
    Es ist gut dass Du das erkannt hast und eine Reha ist eben kein normaler Alltag. Bäume ausreissen?! das können die Jüngeren machen. 😉
    Ich mag Deine stimmungsvollen Fotos und Dein Kleid Hosen Outfit.
    Schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

    Tina von Tinaspinkfriday
  4. Wie gut ich dieses “Ich mach mal eben” kenne…. darin bin ich Meister und wundere mich, dass ich irgendwann völlig erschöpft in einer Ecke liege. Und natürlich meine eigenen Erwartungen nicht erfüllt habe. Dann folgen Frust und Unzufriedenheit.
    Und weil das so nicht funktioniert, sitze ich jetzt in einem Café an der Ostsee, gucke aufs Wasser und mit dem Hausputz müssen sich diesmal meine Töchter rumschlagen *grins*
    Irgendwann kommen wir halt alle dahin, dass wir unsere to-do-Liste kürzer fassen müssen, damit noch Zeit für uns selbst übrig bleibt. Ich finde das superschwierig. Aber ganz langsam lerne ich es.
    Liebe Grüße
    Fran

  5. Ich drücke dir die Daumen, dass du es schaffst, im Gleichklang zu bleiben.
    Ich habe jahrelang viel zu wenig auf meinen Körper gehört, immer zu viel verlangt. Zwar.war.es nicht mein Alter, das mich eingeschränkt hat, aber von mir blieb einfach nichts übrig. Und der Druck kam ausschließlich von mir und aus dem Job.
    Heute schaffe ich es immer besser, mich diesbezüglich selbst zu stoppen. Nicht immer aber oft genug. Und ich habe gelernt, dass 70% auch ausreichend sein können.
    Genieße dein Wochenende, liebe Sabine
    Grüße
    Andrea

  6. Es ist richtig und gut, sich nicht ständig durch das Leben hetzen zu lassen. Und es ist ein ganz normaler Prozess, dass man langsamer wird, je älter man wird. Krankheiten bremsen einen dann noch zusätzlich aus. Bei mir ist es immer noch das Knie, das mich zusätzlich ausbremst. Ich hadere manchmal damit, dass es solange dauert, aber ich akzeptiere jetzt einfach mal, dass im Moment alles noch einen Tick langsamer geht.
    Grüßle Bellana

  7. Heute in der Früh schon einen Kommentar geschrieben, aber irgendwas war verhext…
    Jetzt ist natürlich alles aus dem Kopf, Was ich dir schreiben wollte, zumal ich die Auswirkungen deiner Krankheit zum 2. Mal erlebe, jetzt hautnah.
    Es ist schwer, die eignen Grenzen anzunehmen. Aus der Reha kommt man auch immer mit dem Gefühl, wenn du dir Mühe gibst, dann – Pustekuchen!
    Ich selbst habe noch mal meine Chance bekommen mit meiner neuen Hüfte, kann wieder schmerzfrei laufen. Aber eine zufriedenstellende Kondition habe ich immer noch nicht, auch, weil ich mich jetzt auf einen immer langsamer werdenden Gefährten einstellen muss.Leben verläuft nicht nach Plan, höchstens dem inneren aller Kreatur, den wir aber nicht wahrhaben wollen.
    Pass auf dich auf, tu dir Gutes, schau auf dein Seelenheil!
    Alles Liebe!
    Astrid

  8. Ja. Wer nicht auf sich hört…. muss…. Du kennst den blöden Spruch. Es ist sehr gut, dass Dir die Reha neuen Elan gegeben hat. Und jetzt musst Du eben das richtige Maß finden. Ich brauche auch nichts mehr, wenn ich 11 Std. ausßer Haus war, eingekauft und gekocht habe. Vielleicht denkst Du auch über einen freien Tag pro Woche nach. Das bringt so viel Lebensqualität. Ich möchte da nicht mehr drauf verzichten. Und ich bin 11 Jahre jünger. Es ist der Tag für mich allein. Der Tag zum durchschnaufen, sammeln und auch mal zur “vergammeln”.
    Lass Dir gut gehen. Freut mich, dass ich Dich zu diesem klasse Outfit inspirieren konnte. LG Sunny

  9. Liebe Sabine,
    ich kann mir gut vorstellen, dass Du während der Reha und kurz danach sehr motiviert warst. Wenn der Alltag einen dann einholt, sieht es ganz anders aus. Man hat gar nicht so viel Zeit, alles umzusetzen, was man sich vorgenommen hat. Daher machst Du es genau richtig. Lass es langsam angehen. Eile mit Weile…

    Liebe Grüße Sabine

  10. Hallo Sabine, kann mich da nur anschließen, in der Reha tankt man Kraft und zu Hause holt einen der Alltag wieder ein. Wie deine Freundin schon sagt “Versuche aufzuhören, dich durch Leistung zu definieren”n denn das tun wir viel zu oft.
    Liebe Grüße Bo

    Bo
  11. Deine Worte könnten meine sein, ich lebe die gleiche Phase durch. Vor allem nach meiner Hüft-Arthrose-Operation ist meine Lebensqualität nicht das, was ich mir vorgestellt hätte. Es ist nicht so, dass ich mit 60 noch die große Sportskanone sein muss oder Marathon laufen möchte, aber ich mache einfach weniger und bin nicht zufrieden!
    “Versuche aufzuhören, dich durch Leistung zu definieren” – ich glaube ich muss das auch lernen! Vielen Dank!
    Übrigens, mir gefällt dein Outfit sehr und die Bilder sind einfach klasse!
    Liebe Grüße,
    Claudia

  12. 🙂 Liebe Sabine,
    das klingt irgendwie bekannt.
    Für nichts wird sich mehr richtig Zeit genommen. Vieles wird “mal eben schnell” zwischen Tür und Angel erledigt. Da bleibt etwas auf der Strecke. Im schlimmsten Fall die eigene Gesundheit.
    Achte auf Dich. Nimm Dir die Zeit, die Du für Dich brauchst.
    Ganz liebe Grüße
    Claudia 🙂

  13. Liebe Sabine, Dein Post hat mich sehr zum nachdenken angeregt. Ich denke immer, ich müsste alles “schnell” machen, weil ich es halt (noch) kann, und eh vom Typ her nicht langsam bin, das widerstrebt mir. ich bin die, die Augen rollend und schnaubend neben dem Kopierer steht, weil mir der zu langsam ist…. deshalb habe ich ja auch den allergrößten Respekt vor Dir, wie Du mit Deiner Krankheit umgehst. Das “sich-über-Leistung-definieren” ist auch so eine Sache… eigentlich will ich es nicht, es widerstrebt mir generell und ich versuche es auch in meiner “Pädagogik” immer wieder einzubinden: Du bist geliebt, weil Du existierst, nicht, weil Du etwas kannst. Aber gilt das auch für mich selbst? Naja…
    Kurz gesagt: ich finde es einfach klasse, wie Du Dich und Deine Situation immer wieder reflektierst und wie Du letztlich auch Dein Handeln veränderst. Ich glaube, nur so funktioniert es, dieses Leben.
    Dein Outfit gefällt mir übrigens mal wieder sehr – ich mag die Tunika und die coole Hose/Stiefel! Sehr schön siehst Du aus.
    Liebe Grüße, Maren

  14. Denk dir nix. Ich bin nicht an irgendwas krank. Und ich kann trotzdem nicht mehr die übliche Schlagzahl durchhalten. Wenn, dann klappt das mal für ein paar Tage. Und dann ist so richtig Feierabend. Ende Gelände.
    Aber damit komme ich auch ganz schlecht zurecht.
    LG Sabienes

  15. Ein weiser Post, liebe Sabine! Mir ging’s nach den Kuren auch immer so, voller Elan, und dann Zack, weil der Alltag und die guten Pläne nicht zusammenpassten. Zu akzeptieren, dass man keine dreißig, vierzig, fünfzig mehr ist und auch nicht mehr 100%ig gesund ist eine Sache – dann muss es allerdings auch noch das Umfeld aktzeptieren – das berufliche und das private… Ist nicht ganz einfach, immer wieder die eigneen Grenzen zu erkennen und auch die anderen darauf hinzuweisen, dass diese Grenzen jetzt erreicht sind…
    Ich wünsche dir eine wunderbar gemächliche Adventzeit und weiterhin so kluges Umgehen mit dir selbst!
    Alles LIebe, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2018/11/alpakas-in-der-wuste.html

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