“Das Beste, was mir je passiert ist…” bin ich, sagtest Du neulich, als Du über unsere Beziehung sprachst. Das sehe ich genauso, auch wenn Du diesen Platz mit meinen Kindern teilen musst. “Mit den Beiden, teile ich diesen gerne”,war Deine Antwort.
Als wir im November 1993 ein Paar wurden, waren wir ineinander verliebt, hatten nur Augen füreinander, waren wir bereit unser bisheriges Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Dass sich das auch in 25 Jahren nicht ändert, hätten wir nicht gedacht. Vieles hat sich verändert, wir auch und das geht so weiter. Was uneingeschränkt geblieben, neben der gegenseitigen Anziehung,  ist Respekt und Loyalität füreinander und dass wir uns nach wie vor nicht miteinander langweilen.

25 gemeinsame Jahre

Natürlich gab es Höhen und Tiefen und auch Momente, in denen wir dafür kämpfen mussten, nicht auseinander zu gehen. Wenn Du unsere Geschichte lesen magst – hier ist sie.
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Ulf war 27 und ein Arbeitkollege, ich war 35 und ich langweilte mich. Vieles an ihm entsprach meinem “Beuteschema”. Er hatte lange Haare, war jung und unangepasst. Ein einsamer Wolf, dem Freiheit über alles ging, ließ er mich doch vom ersten Augenblick an spüren, dass ich ihm wichtig und wertvoll bin. Eine neue Erfahrung für mich.
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Gegen alle Ratschläge und Vorbehalte (ich war verheiratet, er wollte keine Kinder…) beschlossen wir, unserer Liebe eine Chance zu geben, mit so viel Nähe wie möglich und so viel Freiheit wie nötig. Wir wollten keine Patchwork-Familie werden, nicht gemeinsam wohnen und ich wollte keinen Vater für meine Kinder. Den hatten und haben sie.
Wir wohnten in getrennten Wohnungen, in verschiedenen Stadtteilen, sahen uns manchmal täglich, manchmal nur einmal in der Woche. In den Sommerferien machte ich Campingurlaub mit den Kindern und fuhr im Herbst, wenn ich es mir leisten konnte oder Ulf mich einlud eine Woche mit ihm weg, ins Gebirge oder ans Meer. Zumindest als die Kinder klein  waren, war das die beste Lösung. Einen gemeinsamen Urlaub verbrachten wir in Ungarn und lernten daraus, dass wir räumlichen Abstand brauchen. Obwohl wir keine Familie waren, gelang uns das Zusammensein zu viert ganz gut.
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Wir waren wie Feuer und Wasser, konnten unterschiedlicher nicht sein. Ich liebe Veränderungen, Ulf Beständigkeit. Er ist ein Träumer, dem es gelingt die Realität nicht aus den Augen zu verlieren. Ich lebe in der Realität und versuche sie meinen Träumen entsprechend zu gestalten. 
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Ulf kann seine Gedanken sehr gut in Worte fassen, bevor er sie ausspricht überlegt er sich die Folgen. Ich kann meine Gedanken gut in Worte fassen, wenn ich sie ausspreche, bin ich manchmal darüber erstaunt, was sie auslösen. Dass die Kommunikation zwischen uns dennoch ganz gut funktioniert, liegt daran, dass er gelernt hat, meine Offenbarungen zu hinterfragen und ich spüre, wenn wenn er noch nicht alles gesagt hat. 
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Uns verbindet der Wunsch nach Freiheit. Unter Freiheit verstehe ich – und bei Ulf ist das ganz ähnlich, dass ich meine alltägllichen Entscheidungen selber treffen  kann. Ich möchte nicht fragen, wenn ich weggehe. Ich möchte nicht verpflichtet sein, täglich ein Essen auf den Tisch zu bringen, womöglich noch zu einer bestimmten Uhrzeit. Ich möchte darüber entscheiden, wie ich meinen Feierabend verbringe – ob ich alleine sein oder seine Gesellschaft möchte. Ich mag keine Automatismen. Gewohnheiten, die wir entwickelt haben, sind von uns beiden gewollt. Wenn sie irgendeinem von uns mal auf den Wecker gehen, werden wir sie ändern. Überhaupt ist das ein wichtiger Aspekt, ich möchte mich verändern können und dürfen und ich gestehe das auch Ulf zu.
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Wir sind gerne zusammen in der Natur, besuchen regelmäßig Museen und Ausstellungen und wir genießen beide unseren Garten, Ulf aktiv, ich mehr auf der Palettenbank. Er ist mein Fotograf, viele meiner Blogbilder sind von ihm. Vor einiger Zeit hat er das Fotografieren für sich entdeckt und ich genieße unsere gemeinsamen Fotospazierrgänge sehr. Er hat einen anderen Blick auf die Dinge, es ist interessant unsere Bilder zu vergleichen.
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Bahnhöfe und Züge, alte vor allem, ziehen uns gleichermaßen an.

Unter einem Dach

Seit Dezember 2015 leben wir zusammen und versuchen nach wie vor uns so viel Freiheit zu lassen, wie notwendig. Die räumliche Nähe ist inzwischen kein Problem mehr. Es ist eben einfacher zwei Individuen unter einen Hut zu bringen als vier. Natürlich müssen wir unser Zusammenleben, unsere Beziehung ab und zu nachjustieren. Das tun wir gerade wieder. Es ist ein nicht endender Prozess. Ich gehe nicht davon aus, dass wir irgendwann mal nichts mehr auszudiskutieren haben. Wahrscheinlich wäre das das Ende. Das wollen wir beide nicht.
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Nicht jeder gemeinsame Tag ist ein Honigmond, wir streiten, wir meckern und gehen uns gegenseitig auf die Nerven. Aber es gelingt uns immer wieder, uns neu ineinander zu verlieben. Ein Segen? Eine Gabe? Auf jeden Fall etwas, wofür wir sehr dankbar sind. Im November hätten wir Silberhochzeit gefeiert, wenn wir geheiratet hätten. Werden nun die Honigmonde zu Silbermonden? Wir sind gespannt und freuen uns drauf.
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Liebe Grüße

Sabine

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18 Kommentars

  1. Das ist so schön und eine sehr gute Art miteinander umzugehen und zu leben. Als Individuum und doch in Gemeinsamkeit. Ich wünsche euch noch viele schöne, spannende, diskutierende, gesunde Jahre…. und einen schönen Montag! 🙂
    Liebe Grüße Tina

    Tina von Tinaspinkfriday
  2. Was für eine schöne gemeinsame Geschichte. Wäre früher für mich undenkbar, inzwischen genieße ich die Zeit mit meinem neuen Freund… gemeinsam, aber auch oft getrennt wegen seines Jobs, mit 2 Wohnungen, vieles kann, aber nichts muss. Keine Erwartungen wie du schreibst, dass pünktlich das Essen auf dem Tisch stehen muss, wenn ich kochen will dann mache ich es und wenn nicht fällt uns was anderes ein. Kind ist groß und lebt seine eigenen Wege, auch darüber gibt es keine Diskussionen. Sehr entspannt.
    Dann drücke ich euch die Daumen für ewiges Aus- und Neujustieren und viele gemeinsame Jahre auf Fotosafari etc.
    Liebe Grüße Jacky

  3. Das ist genau die Beziehung, die ich mir wünsche (und auch – vielleicht noch in “extremerer” Form, wohl habe.) Bei mir sind frühere Beziehungen immer nur in die Brüche gegangen, weil ER mehr wollte, also Zusammenziehen, Kinder, Familie usw. und ICH nicht. Weil ich so ein freiheitsliebender mensch bin und mir auch nicht vorstellen kann, auch nur tendenziell “abhängig” zu sein. (Angeblich sind ja immer die Frauen eher die Klammeraffen…! Kann ich nicht bestätigen!)
    Danke fürs Teilen Deiner Geschichte und Danke für Deine Offenheit! Ich freue mich für Dich, dass es so gut passt für Euch und wie Rena denke ich auch, man spürt die Liebe… ich freu mich natürlich besonders, weil es mal wieder gut zeigt, dass Liebe nur in Freiheit wirklich wachsen und gedeihen kann! Und weil Deine Geschichte zeigt, dass es auch andere “unkonventionelle” Paare gibt.

    Liebe Grüße Maren

  4. Es ist schön wenn man so eine lange Zeit eine gemeinsame sein eigen nennen kann. Ich weiß genau was Du meinst. Bei uns ist es sehr ähnlich.
    Ich wünsche euch noch viele schöne Jahre zu zweit.
    LG heidi

    Heidi
  5. Was für eine schöne Liebesgeschichte! Und Eure Blicke auf den Fotos sind noch genauso wie vor 25 Jahren. Euch das bewahrt zu haben – das ist eine reife Leistung. Die gelingt nur, wenn man den Anderen nie vor lauter Alltag aus den Augen verliert. Und dazu gehört verdammt viel.
    Liebe Grüße
    Fran

  6. Ich erinnere mich, dass du schon einmal über euch geschrieben hast, als ihr in das Haus gezogen seid und dass ihr trotzdem getrennte Wohnungen habt, weil euch die Eigenständigkeit wichtig ist. Das kann ich gut verstehen und ich freue mich für euch, dass ihr euch in eurem Leben so einrichten konntet, dass es für euch passt.
    Den Wunsch nach Freiheit/ Eigenständigkeit kann ich gut nachvollziehen. Noch ist ein Kind zu Hause, was gewisse Regularien mit sich bringt. Aber vor den Kindern haben wir unsere Zeit sehr frei gestaltet und das wird auch wieder so werden.

    Ihr habt eine wirklich schöne Geschichte.

    Liebe Grüße
    Andrea

  7. Ich lebe ja in einer ähnlichen Partnerschaft, auch wenn es hier andere “Eckpunkte” gibt, sind Eigenständigkeit und Unabhängigkeit für mich sehr wichtig. Sehr schöne Bilder sind das, die Eure Energie und Zuneigung ganz wunderbar reflektieren.

    Im übrigen. Ein sehr attraktiver Mann, der Herr U. Und ich gratuliere Dir für Dein “gutes Näschen”, Das hast Du damals schon gut erkannt. Obwohl ich früher auch sehr auf lange Haare gestanden habe, gefallen mir die meisten Männer heute mit einem guten, kurzen Haarschnitt besser.
    LG Sunny

  8. herzlichen glückwunsch zu eurem 25jährigen zusammensein! sich nicht einzuengen und sich gegenseitig freiheiten zu geben ist wohl eines der “rezepte” von langjährigen beziehungen. mein mann und ich fahren seit 50 jahren – mit höhen und tiefen – ziemlich gut damit. ich wünsche euch noch ganz viele weitere gemeinsame jahre!
    liebe grüße
    mano

  9. …eine schöne Lebens- und Liebesgeschichte kannst du da erzählen, liebe Sabine,
    und auch deine Bilder erzählen viel…möget ihr noch lange so gut und glücklich miteinander leben können,

    liebe Grüße Birgitt

  10. Ja, zu zweit ist wirklich ein Abenteuer, vor allem, wenn zwei sehr unterschiedliche Personen beschließen, zusammen zu bleiben! Das weiß ich sehr gut! Ich wünsche euch, dass ihr euer Abenteuer weiterhin genießt und eure Liebe immer so tief sein wie am heutigen Tag.
    Liebe Grüße,
    Claudia

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