Das Geschenk, das ich Dir heute zeige, habe ich vor beinahe 40 Jahren bekommen. Es hat mich damals begeistert und ich mag es noch immer, möchte es nicht missen.

 

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Ein Schrank vom Flohmarkt

Es war im Jahre 1980 als ein großer Flohmarkt in Stuttgart stattfand. Die Königstraße rauf  und runter war ein Stand am andern, Händler, Wohnungsauflöser, Privatleute, die Ihre Dachbodenschätze anboten. Ein buntes Sammelsurium an Möbeln, Hausrat, Krimskrams und ich mit meiner Mutter mittendrin. Doch wir hatten eine Mission und verloren uns nicht in den vielfältigen Schätzen. Wir suchten einen Schrank. Groß sollte er sein, aus hellem Holz, ein Bauernschrank, aber unbemalt und möglichst ohne Holzwurm.

 

bauernschrank

Wir wurden fündig bei einer Gruppe junger Leute, die alte Holz-Möbel, die es damals in fast jedem Haushalt im Keller oder auf dem Dachboden gab, abbeizten, abschliffen und ohne viel Firlefanz fast im Rohzustand verkauften. Der Schrank, den ich mir aussuchte, besteht aus zwei Seitenteilen, einer Rückwand, einem Boden- und einem Kopfteil, die mit Holzzapfen und Holzkeilen verbunden sind. Ergänzt wurde er durch 4 Regalbretter im Innern. Er ist leicht auseinander- und wieder zusammen zu bauen. Die Einzelteile sind stabil aber leicht genug, dass ich den Schrank in seine Einzelteile zerlegt eigenhändig transportieren kann. Damals aber wurde er mir geliefert.

 

glaeser-im-schrank

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie glücklich ich darüber war. Ich war mit 21 von zuhause ausgezogen, Hals über Kopf, in die Studentenbude meines Freundes. Ein halbes Jahr später beschlossen wir gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder und dessen Freundin ein Haus zu mieten. Es war im Sommer 1980 als wir das Haus, in einem Dorf in der Nähe von Stuttgart bezogen. Möbel hatten wir fast keine, ich jedoch den Traum vom schönen Wohnen. Dem ich mit dem neuen, alten Schrank ein gutes Stück näher kam.

 

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Glücklich war ich auch, weil es ein Geschenk meiner Mutter war. Sie zeigte mir damit, dass sie die Situation, die sie anfänglich nicht begrüsst hatte, nun akzeptierte. Sie hatte Freude daran mir etwas zu schenken, was meine Umgebung schöner machte.  Das brachte uns einander nahe  wie selten zuvor und selten danach.

 

 

Ergänzend zum Schrank bekam ich von Ihr ein Sofa. Ein altes, das sie neu polstern lies. Den Bezug durfte ich mir aussuchen. Für graublauern Streublümchensamt entschied ich mich. Es war wunderschön, doch leider gibt’s kein Bild davon.

 

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Meine Mutter hatte ein Händchen dafür einen Raum wohnlich zu machen. Musste sie beim Einrichten so manchen Kompromiss mit meinem Vater schließen, konnte sie sich beim Dekorieren ausleben. Wobei sie es nie übertrieb. Mit Stoffen, frischen Blumen und Mitbringseln aus Portugal, dem Tessin und der Bretagne gab sie jedem Raum ein eigenes Gesicht.

 

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Wenn ich mich in meinen Räumen umschaue, weiß ich, dass sie ihr gefallen hätten. Ein frischer Strauß Blumen und eine Schale Obst steht auch bei mir Sommers und Winters auf dem Tisch und bunte Kissen zieren jede Sitzgelegenheit. Mein Sammelsurium rührt nicht von unseren Reisen her, es sind Flohmarktfunde. Der Effekt ist ein ähnlicher. Das Bürfnis, meine Umgebung liebevoll zu gestalten, hat mir sicher meine Mutter in die Wiege gelegt.

Initiert hat diese Aktion Claudia Lasetzki. Danke, Claudia, für dieses schöne Thema.

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15 Kommentars

  1. Was für ein schönes Geschenk und eine liebevolle Art, dir zu zeigen, dass du unterstützt bist in dem was du tust. In diesem Fall ein eigenes Leben anfangen.
    Ich denke es ist gar nicht so leicht für die Mamas da loszulassen.
    Als ich weiter wegzog, das erste mal, fuhr meine Mama mit mir um alles einzurichten. Ein winziges Zimmer, Bilder machen war damals nicht mein Ding. Aber die Erinnerung wird mir immer bleiben.
    Liebe Grüsse Ela

  2. Liebe Sabine, genau so einen Schrank hatte ich auch. Hatte… denn meine Wohnung ist einfach zu klein für so einen eher unpraktischen Schrank (es ist ja eigentlich ein Geschirrschrank, ich lagerte damals Kleidung darin- passt nichts richtig rein!) und daher trennte ich mich von ihm. Wie bei dir stammte der Schrank von meiner Mutter – und vom Trödelmarkt. Als ich 28 war, starb meine Mutter und daher hatte ich u.a. den Schrank. Ich habe außer einer wunderschönen alten Vitrine und ein paar Kleinigkeiten über die Jahre aber nichts mehr behalten.
    Aber in einen großen Raum wie bei dir passt so ein Schrank ganz wunderbar!
    Das sind auch tolle Fotos von Dir und deiner Familie.
    Liebe Grüße, Maren

  3. Ein toller Beitrag zur Aktion mit vielen schönen und privaten Fotos. Vielen Dank dafür liebe Sabine. Sehr berührend die Geschichte auf welche Art deine Mutter dich mit dem Schrank unterstützt hat deinen eigenen Weg zu gehen. Es spricht sehr für die Qualität des Schrankes und seines emotionalen Werts für dich das du ihn noch heute in der Wohnung stehen hast. Liebe Grüße Ursula

  4. Welch Geschenk, vor allem mit diesem Hintergrund!
    Ich besitze auch einen solchen Schrank, meinen Weihnachtsschrank! Allerdings habe ich ihn von einer Tante meines ersten Mannes aus dem Altersheim geerbt und selbst abgebeizt und repariert habe, bevor ich ihn verlassen habe, um mit meinem Herrn K. zusammen zu ziehen ( also auch ein Teil mit Geschichte ).
    Mein Faible fürs Einrichten habe ich allerdings nicht von meiner Mutter, die war eher ein Genussmensch.
    Interessant auch die alten Fotos.
    LG
    Astrid

  5. Was für eine wundervolle Erinnerung und der tolle Schrank sieht noch so jung aus!
    Man spürt die Liebe aus jeder einzelnen Zeile.
    Tolle Fotos sind das und auch schon mit Kamera ……..
    Liebe Grüße Patricia

  6. 🙂 Liebe Sabine,
    ich habe auch so einen schönen alten Schrank, der schon zig Umzüge mitgemacht hat. Meinen hatte ich über eine Anzeige im Hamburger Abendblatt gekauft und mir selbst zum Geschenk gemacht. Das muss gut 30 Jahre her sein.
    So ein schönes Stück geschenkt zu bekommen ist natürlich etwas ganz Besonderes. Noch mal mehr, als Du ihn heute noch hast und Deine Mama auch immer damit verbinden kannst.
    Dir noch einen schönen Sonntag und liebe Grüße
    Claudia 🙂

  7. Das glaub ich wohl, dass es bei Dir recht gemütlich ist. Hin und wieder hast Du uns ja schon Bilder von Deiner Wohnung/Eurem Haus gezeigt. Und ja. So ein alter Massivholzschrank ist eigentlich nicht kaputtbar.
    Die meisten Schreiner haben sich früher was gedacht, bei Ihren Konstruktionen, sodass man sie leicht auf/abbauen und auch verändern kann. Ich kenne das von meiner Ma, die bei den Kleidern die sie nähte immer genug Nahtzugaben verteilt hatte, um von der Elfe bis zur Wallküre jeden noch über Jahre in das Kleid packen zu können. :-)))
    Schöne Bilder und ja, auch eine schöne Erinnerung an Deine Ma.
    LG Sunny

  8. So einen Schrank habe ich auch im Flur, es war schon hier zu Hause, als ich hierher kam, einfach wunderschön! Einige besondere Geschenke von Eltern sind wirklich unvergesslich!
    Ich habe auch einige Beispiele, die mein Leben und meine Erinnerungen bis heute begleiten. Sie sind sehr wichtig für mich!
    Vielen lieben Dank fürs Zeigen und auch für die tollen Fotos!
    Liebe Grüße,
    Claudia

  9. Hallo, ein wirklich sehr schöner Schrank und als Geschenk von der Mama bleibt es was Besonderes. Die schönen schwarz weiß Fotos sind klasse und ein Stück Erinnerung.
    Liebe Grüße Bo

    Bo
  10. Ich finde das toll, dass Deine Mutter den Schrank bezahlt hat. Als Geste der Akzeptanz und Liebe zu Dir. Wirklich ein schönes Geschenk 🙂
    Liebe Grüße Tina

    Tina von Tinaspinkfriday
  11. Anscheinnd hat jeder so einen oder ähnlichen Schrank mit Geschichte.
    Ich natürlich auch. Mein Schrank habe ich einem Bekannten “abgeluchst”, Milchglasscheiben eingesetzt und weiß gestrichen. Seitdem hänge ich an ihm und möchte ihn auch nicht mehr hergeben.
    Deine Schrankgeschichte ist sehr berührend, vielen Dank!
    Herzlich grüßt Dich
    Edna Mo

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